Seitenbeginn . Zur Hauptnavigation . Zum Seiteninhalt

Unternehmensflurbereinigung „Teutleben“ Ländliche Neuordnung ermöglicht neue Schienenwege und die Vernetzung Europas


Die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft Susanna Karawanskij hat heute im Flurbereinigungsverfahren Teutleben gemeinsam mit dem Präsidenten des Thüringer Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation Uwe Köhler einen Rastplatz mit Pavillion und Infotafel eingeweiht. Damit ist der Ausbau der gemeinschaftlichen Anlagen in dem Verfahren offiziell abgeschlossen.Die Flurbereinigung Teutleben ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie mit Hilfe von ländlicher Bodenordnung neue Schienenwege entstehen und Europa vernetzen, ohne die Belange der Eigentümer zu übergehen.

Pavillion mit Aussicht und Teilnehmern der Eröffnung
Präsident Köhler, Ministerin Karawanskij und Landrat Henning vor einer Tafel, die enthüllt werden soll
Präsident Köhler, Ministerin Karawanskij und Landrat Henning (v.l.n.r.)
Frau Dr. Anders gibt Erklärungen zum Verfahren
Frau Dr. Anders (TLBG) informiert über das Flurbereinigungsverfahren "Teutleben".
Enthüllte Tafel mit Informationen zum Flurbereinigungsverfahren Teutleben
alter Grenzstein
Alte Landes-Grenzstein, der zwischen KR Preußen und dem Herzogtum Sachsen-Weimar stand und heute die Grenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt markiert.

„Die ICE-Strecke von Erfurt nach Halle und Leipzig ist Teil der europäischen Schnellverkehrsachse von Malmö nach Palermo. Sie verbindet unser Land klimafreundlich mit ganz Europa. Die Flurbereinigung hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Züge seit Dezember 2015 über die Neubaustrecke rollen“, so Ministerin Karawanskij.

Mit der Unternehmensflurbereinigung Teutleben und neun weiteren Verfahren wurden nicht nur die unvermeidbaren Durchschneidungsschäden weitgehend minimiert oder sogar ausgeglichen, sondern auch die für den Bau erforderlichen Flächen bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt. Mit der Unternehmensflurbereinigung wurde der Flächenverlust sozialverträglich auf eine größere Zahl von Eigentümerinnen und Eigentümern verteilt.

Die Ministerin hob weiterhin hervor: „Gemeinsam mit den Eigentümerinnen und Eigentümern haben wir Ideen zur umfassenden Gestaltung und Entwicklung des ländlichen Raumes entwickelt und umgesetzt. Denn Flurbereinigung verbindet die zweckmäßige Neuordnung von ländlichem Grundbesitz mit nachhaltigen Investitionen in die Infrastruktur. Mit dem neu gestalteten Rastplatz mit Pavillon und Infotafel findet der Ausbau der gemeinschaftlichen Anlagen heute seinen Abschluss. Der Rastplatz mit herrlicher Aussicht wird sicher vom Fuß- und Radverkehr gut angenommen werden.“

Der Präsident des TLBG Uwe Köhler ergänzte: “Kaum ein Reisender, der heute mit bis zu 300 Stundenkilometern durch die Landschaft rauscht, macht sich darüber Gedanken, dass er fast durchweg über privates Bodeneigentum fährt. Für den Bau der ICE-Neubaustrecke müssen allein im Flurbereinigungsverfahren Teutleben über 1.000 Flurstücke von ca. 260 privaten Eigentümern neu geordnet werden. Auch wenn die endgültige Zusammenführung von Nutzung und Eigentum durch den Flurbereinigungsplan noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird: Die wichtigsten Meilensteine des Verfahrens sind geschafft. Der Ausbau der gemeinschaftlichen Anlagen ist abgeschlossen und der ICE rollt – zur Zufriedenheit aller!
 

Hintergrundinformationen:

Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Schiene Nr. 8 von Berlin über Halle/Leipzig und Erfurt nach Nürnberg ist Bestandteil der europäischen Schnellverkehrsachse Nr. 1 von Malmö (Schweden) nach Palermo (Italien). Die 123 km lange Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig (Teilabschnitt VDE Nr. 8.2) durchquert von Erfurt ausgehend das Thüringer Becken zwischen Sömmerda und Weimar und durchschneidet dabei nicht nur zahlreiche Straßen, ländliche Wege und Gewässer, sondern auch große landwirtschaftliche Bewirtschaftungsflächen auf hochwertigen Ackerböden.

Die zuständige Flurbereinigungsbehörde ordnete 1995 zusammen mit neun weiteren aneinandergrenzenden Flurbereinigungsverfahren die Unternehmensflurbereinigung Teutleben an. Wesentliche Ziele des Verfahrens sind neben der Umsetzung des vorgenannten Verkehrsprojektes Deutsche Einheit die Verbesserung der Agrarstruktur, die Neuordnung des ländlichen Grundbesitzes und die Dorfentwicklung.

Nach rund 10 Jahren Bauzeit wurde die Neubaustrecke im Dezember 2015 dem Betrieb übergeben. Die maximale Reisegeschwindigkeit der verkehrenden ICE-Züge beträgt heute 300 km/h. Die Reisezeit zwischen Erfurt und Leipzig verkürzt sich im Vergleich zur alten Strecke über Weimar und Naumburg (Saale) um rund 30 Minuten.

Der besondere Verdienst der Flurbereinigung liegt nicht nur im Ausgleich der Durchschneidungsschäden, sondern vor allem in der Ermöglichung einer raschen Umsetzung des Verkehrsprojektes. Mit insgesamt 13 vorläufigen Anordnungen wurden die für den Bau benötigten Flächen zügig bereitgestellt und der Streckenneubau damit wesentlich beschleunigt. Zudem wird der Flächenverlust sozialverträglich auf eine große Anzahl von Eigentümer:innen verteilt. Die insbesondere für die Landwirtschaft entstehenden Nachteile wurden minimiert oder vollständig ausgeglichen.

Begonnen wurde die Flurbereinigung mit Einleitungsbeschluss vom 12. September 1995. Das Verfahrensgebiet umfasst ca. 1.000 ha mit rund 1.100 Flurstücken und ca. 250 Eigentümer:innen. Es liegt am nordöstlichen Rand des Thüringer Beckens im Übergangsbereich zur Finne. Es umfasst im Wesentlichen das Gemeindegebiet Eßleben-Teutleben der Landgemeinde Buttstädt (Landkreis Weimarer Land). Ein kleiner Teil des Verfahrens (ca. 104 ha) gehört zur Gemeinde Herrengosserstedt im angrenzenden Sachsen-Anhalt. Die Flurbereinigung Teutleben ist übrigens aktuell das einzige länderübergreifende Verfahren des TLBG.

Im bisherigen Verfahrensverlauf beläuft sich die Gesamtinvestitionssumme auf fast 3 Millionen Euro (2.840.120 €). Davon hat der Unternehmensträger rund 400.000 Euro (366.000 €) getragen. Für den Ausbau der im gemeinschaftlichen Interesse der Grundstückseigentümer:innen liegenden Anlagen wie die ländlichen Wege oder der landschaftsgestaltenden Anlagen wurden über 2 Millionen Euro (2.226.708 €) Fördermittel der EU, des Bundes und des Freistaats Thüringen ausgereicht. Die Eigenleistung von rund 250.000 Euro (247.412 €) wird von den Grundstückseigentümer:innen, den Kommunen und den Landwirtschaftsbetrieben aufgebracht.

Die Bearbeitung des Verfahrens erfolgte durch den Flurbereinigungsbereich Gera des Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation (bis 2018 Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gera) unter ständiger Mitwirkung der Teilnehmergemeinschaft und deren ehrenamtlichen Vorstand.

Unser Ministerium in den sozialen Netzwerken: